Abschluss_nov_2015

NIGHTINGALE - Integration durch Mentoring

Durch Bildung ein schützendes und stärkendes Umfeld zu schaffen, ist die Idee hinter Nighingale. Bezüglich schulischer Bildung können Eltern mit Migrationshintergrund ihren Kindern oft nicht oder nicht ausreichend helfen. So geraten Kinder mit Migrationshintergrund oft früh in Nachteil gegenüber autochthonen Kindern, was in Folge später die Möglichkeiten zur Integration in der Gesellschaft erheblich mindert. Bildungsdefizite wirken sich auch auf die Gesundheit aus, wie zahlreiche Studien belegen. Um diesen Nachteilen zu begegnen, treffen interessierte Student/innen einmal in der Woche als Mentor/innen Schüler/innen aus Drittstaaten im Alter von 8-12 Jahren. Die Studierenden unternehmen mit den Kindern Ausflüge und Aktivitäten mit Bildungshintergrund (Bibliothek, Rathaus, Universität, Tiergarten, Museen, Haus der Musik, Haus des Meeres, Schwimmbad, Kindertheater etc.), Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten.

Darstellung des Projektes

 

Die Student/innen werden durch ein Training befähigt als Mentor/innen verschiedene Kompetenzen (Erleben des Umfeldes und der Umwelt als sicher, bereichernd und intakt) und die Bildungsmotivation der ihnen anvertrauten Kinder zu fördern.

 

Die fördernde Wirkung von Mentoring wird in diesem Projekt auf zwei Arten entwickelt:

 

1)            Student/innen entwickeln eine helfende, fördernde Beziehung zu einer/einem Schüler/in gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit Bildungsrelevanz (Museumsbesuch, Bibliothek, Teilnahme an Workshops, kreative Aktivitäten. etc. …) und stärken dabei die Motivation und den Selbstwert ihrer Mentees (Schüler/in). Lernen und schulische Aktivitäten stehen dabei nicht im Vordergrund werden aber indirekt gefördert. Diese Variante basiert auf der Erkenntnis der wesentlichen Bedeutung des Selbstwerts von SchülerInnen für den Lernerfolg (vgl. Reva Akkus, Diplomarbeit Universität Wien, 2012) bzw. den Erfolg beim Erwerb der deutschen Sprache. Dabei sind Student und Schüler zumeist gemeinsam  in der Stadt unterwegs, um verschiedenste interessante Einrichtungen zu besuchen und darüber zu sprechen.

 

2)            Student/innen betätigen sich als Lern- und Hausaufgabenhelfer für ihren Mentee (Schüler/in), fördern aber mittels Bibliotheks- und Museumsbesuchen, Spielen und sportlichen Aktivitäten, etc., auch in erweitertem Sinne die Bildungskompetenzen und die Umfeldorientierung ihrer Schützlinge. Dieser Ansatz folgt den in der Praxis sehr erfolgreichen Konzepten instrumentell-zielorientierten Mentorings, die im angloamerikanischen Raum seit Jahren laufen (vgl. Karcher/Nakkula: „Play, Talk, Learn“, Promising Practises in Youth Mentoring, 2010, Wiley Inc., bzw. Beate Ramm, Das Tandem-Prinzip, Ed. Körber-Stiftung, 2009). Hier sind die Mentoring-Tandems überwiegend an der Schule oder zu Hause bei den Mentees tätig, um zu lernen und zu lesen.

 

Durch Mentoring werden nachweislich folgende Kompetenzen an Kindern gefördert:

 

-              Deutsch-Sprachkompetenz

-              Motivation zu Bildung und Lernen

-              Selbstwirksamkeitskompetenz

-              Selbstorganisation

-              Entscheidungsfähigkeit

-              Orientierung in der Stadt und in Österreich

-              Interkulturelle Kompetenz

-              Kenntnisse über Kultur- und Freizeiteinrichtungen bzw. über das österr. Bildungssystem

 

Mentoring fördert aber auch Kompetenzen der Student/innen:

 

-              Interkulturelle Kompetenz durch den engen Kontakt mit einer Familie mit Migrationsgeschichte

-              Kompetenz in der Freizeitgestaltung mit Kindern und Jugendlichen

-              Kompetenz im Bereich Kommunikation mit Kindern Motivation und Kenntnisse der Entwicklungs- und Lernpsychologie.

Motivation für die Projektidee:

 

Projektidee und Entstehung: Aus praktisch allen Studien und ExpertInnenanalysen im Bildungsbereich folgt ein hoher Bedarf an Unterstützung und Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund, um gleich erfolgreiche Lebenskarrieren entwickeln zu können wie autochthone Gleichaltrige. Österreich weist hier in einem höheren Ausmaß als andere OECD Staaten einen problematischen signifikanten Zusammenhang zwischen der sozialen Lage der Eltern und dem Lebenserfolg von Kindern auf. Dieser Umstand kumuliert bei Familien mit Migrationshintergrund mit den Erschwernissen durch den Zweitspracherwerb und geringen Möglichkeiten der Verwertung des aus dem Herkunftsland mitgebrachten „kulturellen Kapitals“. Diesen Kindern sollen nun mit den MentorInnen alternative Bildungs- und Lebens-Vorbilder und -Modelle zur Seite gestellt werden. 

 

Besonderheiten des Projektes:

 

Nightingale ist kein Nachhilfe oder Lernhilfeprogramm. Auch die Hausübung zu erledigen ist nicht Ziel des Projekts. Vielmehr sollen die Studierenden zu den Mentees eine freundschaftliche, wertschätzende, unterstützende Beziehung aufbauen, die den Kindern hilft, zu den Institutionen und Einrichtungen in Österreich Vertrauen zu fassen und diese zu verstehen. Den Eltern solle dabei die Bedeutung von Bildung als Schlüssel für zukünftige Lebenschancen vermittelt werden. Umgekehrt erhalten die Student/innen, einen tiefen Einblick in die Kultur der Zuwandererfamilien.

Das Mentoring-Projekt der Kinderfreunde zeigt, dass Integration keine Einbahnstraße ist: SchülerInnen mit Migrationshintergrund, werden ein halbes Jahr lang einen Nachmittag lang pro Woche von Student/innen der Uni in der Freizeit begleitet, um so ihr Selbstvertrauen zu stärken und mit der österreichischen Kultur und unserem Bildungssystem vertrauter zu machen.

Ein/e Mentor/in, die den höchstmöglichen Bildungsabschluss anstrebt (Studierende) - soll die/den Mentee (aktuell SchülerInnen der Volksschule Hirten) motivieren, sich anzustrengen, die deutsche Sprache zu lernen und mit der neuen Umgebung vertraut zu werden. Die Studierenden unternehmen Ausflüge im Stadtteil mit ihren Mentees, besuchen Museen und Ausstellungen sowie interessante Plätze in der Stadt und verbringen ihre Freizeit mit den Kindern. Dabei stehen sie für alle Fragen der Kinder zur Verfügung. Ohne Lern- und Leistungsdruck werden sie den Kindern die österreichische Kultur näher bringen und ihnen helfen, mit ihrer Migrationserfahrung besser zurechtzukommen. Auch ein reger Kontakt mit den Eltern oder Verwandten ist erwünscht und Teil des Programms.

 

Fakten zum Projekt:

 

Das Projekt wird in Kooperation mit Schulen durchgeführt. Dauer eine Gruppe ist ca 8-9 Monate, die erste Gruppe startete im März 2014. 

Zielgruppe sind Schüler/innen aus Drittstaaten im Alter von 8-12 Jahren.

Rückfragen:

0316/82 55 12-21

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Kasperl im Augarten

 


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